Gleichstellung bei Versicherungen

Gleichstellung Unisex-VersicherungMänner und Frauen sind in der Wirtschaft immer noch nicht gleichgestellt. Nach wie vor beziehen viele Männer ein höheres Gehalt als Frauen in der gleichen Position. Die Gleichstellung von Männern und Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft ist ein andauernder Prozess, der bereits angefangen hat, der jedoch noch lange nicht am Ende ist. Hier finden Sie aktuelle Informationen über die nötigen und bereits erzielten Erfolge im Kampf für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, an dem die „Bundesinitiative Gleichstellen – Bundesinitiative für Frauen in der Wirtschaft“ auch tatkräftig mitgewirkt hat. Die neuesten Informationen finden Sie auch bei Verdi.

Unisex-Tarife: Versicherungen stellen Männer und Frauen gleich

Der Europäische Gerichtshof hat am 1. März (Rechtssacht C-236/09) beschlossen, dass Männer und Frauen von Versicherungsunternehmen nicht mehr unterschiedlich behandelt werden dürfen. Seit dem 21. Dezember 2012 gelten daher sogenannte Unisex-Tarife, also Versicherungstarife, deren Beiträge und Leistungen für Männer und Frauen identisch sein müssen.

Betroffen sind Neuverträge aller privaten Versicherungsarten, in denen diese Differenzierung stattfand. Es ist zu beachten, dass die Regelung nur für Neuverträge gilt. Bestandsverträge sind weiterhin unverändert gültig. Besonders für Frauen lohnt es sich daher, ihren Versicherungsschutz zu überprüfen, denn in der Regel haben sich die Konditionen für Frauen verbessert.

Warum wurden Unisex-Tarife eingeführt?

Vor dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs unterschieden sich die Versicherungsbeiträge von Männern und Frauen teils erheblich. Der Grund war ein rein wirtschaftlicher. Statistisch gesehen leben Frauen einige Jahre länger als Männer. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie in vielen Versicherungsbereichen schlichtweg höhere Kosten verursachen.

PKV Tarife GleichstellungDas macht sich vor allem im Alter bemerkbar, wie man am Beispiel der privaten Krankenversicherung (PKV) deutlich erkennen kann. Die einfache Logik ist: „Wer länger lebt, geht häufiger zum Arzt“. Gerade in den späteren Lebensabschnitten häufen sich gesundheitliche Probleme, Krankheiten und körperliche Beschwerden. Die Kosten für deren Behandlungen werden von der privaten Krankenversicherung übernommen, doch müssen diese auch durch die Beiträge wieder eingenommen werden. Da Frauen nun mal länger leben und dadurch im Schnitt deutlich höhere Kosten verursachen als Männer, zahlten sie auch entsprechend höhere Beiträge.

Im Zuge des Gender Mainstreamings und des Antidiskriminierungsgesetzes wurde entschieden, dass das Geschlecht bei der Berechnung von Versicherungsprämien nicht mehr berücksichtigt werden darf, da dies schlicht ungerecht ist. Ein gutes Argument der Unisex-Befürworter war stets, dass Frauen durch die teureren Tarife diskriminiert würden. Vielen Frauen würde der Zugang zu privaten Krankenversicherungen allein aus dem Grund verwehrt bleiben, dass sie sich die höheren Beiträge nicht leisten könnten. Das Gericht folgte der Argumentation und verbot unterschiedliche Tarife für Männer und Frauen für alle privaten Versicherungen.

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Wie wirken sich Unisex-Tarife für Männer und Frauen aus?

Die Einführung von Unisex-Tarifen wirkt sich unterschiedlich aus. In vielen Versicherungssparten sind die Tarife für Männer deutlich teurer geworden. Die Versicherungen mussten eine Mischkalkulation erstellen und die Kosten der Leistungen für Männer und Frauen gleichmäßig verteilen, sodass die Beitragsanpassung bei Versicherungen mit bisher erheblichen Prämienunterschieden natürlich besonders stark zu spüren war bzw. ist.

Vor allem in den Bereichen Private Krankenversicherung, Krankenzusatzversicherung, Pflegerentenversicherung, Pflegezusatzversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung und Private Rentenversicherung stiegen die Beiträge für Männer an, wohingegen sie für Frauen sanken.

Natürlich gibt es aber auch den umgekehrten Fall und auch Männer profitieren von der Gleichbehandlung beider Geschlechter. Ein Beispiel ist die Lebensversicherung. Da Männer statistisch betrachtet früher sterben, ist das Risiko, dass die Versicherung die Versicherungssumme auszahlen muss, deutlich größer als bei Frauen. Daher zahlten Männer vor der Entscheidung des EuGH höhere Beiträge als Frauen. Mit den Unisex-Tarifen wurde die Risikolebensversicherung für Männer günstiger, für Frauen dagegen teurer.

Andere Versicherungen, die seit den Unisex-Tarifen für Männer günstiger und Frauen teurer geworden sind, sind Unfallversicherung, Sterbegeldversicherung und Kfz-Versicherung. Bei Kfz-Versicherungen sind vor allem junge Männer und Frauen betroffen.

Unisex-Tarife: Lohnt sich ein Tarifwechsel, bspw. bei der PKV?

Bestehende Versicherungsverträge sind von der Einführung der Unisex-Tarife nicht betroffen, da die Anwendung auf Bestandsverträge einen Eingriff in die Grundrechte wie Eigentumsgarantie oder Vertragsfreiheit darstellen würde.

Wer eine private Versicherung vor dem 21. Dezember 2012 abgeschlossen hat, sollte je nach Versicherung über einen Tarif- oder Anbieterwechsel nachdenken. Im Bereich private Krankenversicherung sollten Männer unbedingt einen Tarifvergleich durchführen, da das Risiko, dass ein neuer Tarif deutlich teurer wäre, durchaus sehr hoch ist. Frauen dagegen können von einem Vergleich und Tarifwechsel in den meisten Fällen profitieren.

Gleiches gilt für Pflegezusatzversicherungen oder private Rentenversicherung.

Frauenquote: Gleichstellung per Gesetz

Männer und Frauen BerufsunfähigkeitsversicherungDie Bundesregierung hat die Frauenquote beschlossen. Ab 2016 sollen Großunternehmen ist Führungsetagen zu mindestens 30 Prozent mit Frauen besetzen, ab 2018 sollen die Führungsebenen jeweils zur Hälfte aus Männern und Frauen bestehen. Die Regelung gilt für börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen. In Deutschland sind das laut Regierungsangaben etwa 108 Unternehmen. Unternehmen, die entweder börsennotiert oder mitbestimmungspflichtig sind, müssen Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten und anderen Führungsebenen vorlegen. Das betrifft etwa 3.500 Unternehmen.

Doch das Gesetz lässt den Unternehmen einigen Spielraum. So müssen die Führungsetagen nicht zwangsläufig umgebildet werden, denn die Regelung gilt nur für Neubesetzungen. Erst wenn jemand ausscheidet, muss die Stelle von einer Frau neu besetzt werden. Sollte sich keine geeignete Kandidatin finden lassen, bleibt die Stelle unbesetzt.

Kritiker der Frauenquote sehen diese als Diskriminierend, denn dadurch würden Vorstände mit „Quotenfrauen“ besetzt, die ihren Posten möglicherweise nur bekommen, weil sie eine Frau sind und nicht, weil sie kompetenter sind als ihre männlichen Mitbewerber. Würde man bei der Besetzung einer wichtigen Stelle tatsächlich nur nach Kompetenz gehen, wäre eine Frauenquote obsolet, denn der kompetenteste Mensch würde die Stelle bekommen, unabhängig davon, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.

Versicherungen: Geringer Frauenanteil in Führungspositionen

Das Bildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) hat Ende 2012 Daten über die Geschlechterverteilung im Versicherungswesen vorgestellt. Aus diesen ging hervor, dass das Verhältnis von Männern und Frauen 2012 ziemlich ausgeglichen war. Rund 47 Prozent der gesamten Belegschaft der Versicherungsbranche bestand aus Frauen.

Die Quote fiel auf Führungsebenen allerdings deutlich geringer aus. Beispielsweise waren nur etwa 21 Prozent der Vertriebsmitarbeiter Frauen, in Führungspositionen war der Frauenanteil noch geringer. Im Innendienst hingegen wurden bereits etwa 25 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt.

Wie Unternehmen und Versicherungen die Frauenquote umgehen

Allein die Ankündigung der Frauenquote hat einige Chefetagen in Panik versetzt, sodass nach Möglichkeiten gesucht wurde, die Frauenquote zu umgehen. Tatsächlich hat man einen Weg gefunden, der zwar oft teuer, aber auch effektiv sein kann. Die Regelung gilt nämlich nicht für die Rechtsform der sogenannten Europa-AG, der Societas Europae (SE).

Unternehmen dieser Rechtsform müssen ihre Führungspositionen nicht zwangsläufig mit Frauen besetzen. Dazu gehört beispielsweise die Allianz Versicherung, die an der Börse als Allianz SE gelistet ist. Gleiches gilt zum Beispiel für die Hannover Rück SE und andere große Unternehmen wie Axel Springer, E.ON, MAN oder BASF.

Die Umwandlung in eine SE ist allerdings nicht ganz einfach und zudem teuer, die Kosten betragen bei großen Unternehmen mehrere Millionen Euro. Experten sehen kaum die Gefahr, dass Großkonzerne diesen Weg nur aufgrund der Frauenquote einschlagen. Doch sie könnte die Entscheidung durchaus beeinflussen, denn diese Rechtsform hat für Unternehmen noch weitere Vorteile. Einer ist eben, dass die Unternehmensspitze aus einem sogenannten Board bestehen kann, welches die Trennung von Vorstand und Aufsichtsrat aufhebt. Mit diesem Trick wäre auch die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in diesen Unternehmen ausgehebelt, da die Frauenquote an dieser Stelle nicht greift.